Eine Podiumsdiskussion mit einem besonderen Geschenk
Am 11.02.2025 hatte die AG „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ des Gymnasium Gleichense zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, um das Projekt „Pfad des Gedenkens“ zu diskutieren, Anregungen zu erhalten und andere Sichtweisen kennen zu lernen.
Aber was ist das Projekt „Pfad des Gedenkens“ eigentlich?
Es ist ein künstlerisches Projekt um den Opfern des Ohrdrufer Außenlagers SIII zu gedenken sowie die Erinnerungslücken zu schließen, indem Stelen mit Gesichtern aus Beton geschaffen werden. Erreicht werden soll das indem ein 4- Phasen Plan verfolgt wird. Die erste Phase war eine Auseinandersetzung mit der Geschichte. Dazu arbeiteten wir mit Dr. Christoph Mauny von der Weimarer Mal- und Zeichenschule sowie mit den Online Webseiten wie: SUSPEKT und Arolsen archives #everynamecounts. In der zweiten Phase wurden wir unterstützt von dem Künstler Karsten Kunert mit dem wir einen Workshop über plastisches Arbeiten hatten. In diesem formten wir Gesichter, von denen wir dann einen Gipsabdruck erstellt haben, um diese Formen zu nutzen. Das leitete die dritte Phase ein, in der wir Kuben mit den Reliefs mit Zement ausgegossen haben und die Stelen an ihnen befestigt worden. Alle Phasen wurden erfolgreich abgeschlossen. Wir befinden uns jetzt in der vierten und letzten Phase: der Aufstellung im öffentlichen Raum, die auch Thema der Podiumsdiskussion war. Dieses Projekt wurde von der letzten 9. Klasse im Schuljahr 2024 begonnen und wird nun in der AG „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ unter der Leitung von der Kunstlehrerin Saskia Benger- Neumann fortgeführt.
Die Podiumsdiskussion wurde von den AG-Mitgliedern Amy, Paula, Nils, Joe und Johanna mit Unterstützung von Frau Benger-Neumann moderiert. Es wurden für diese Diskussion wichtige Gäste eingeladen, die das Projekt aus ihrer professionellen Perspektive reflektieren sollten. Zu den Diskutierenden zählten: Dr. Christoph Mauny (Weimarer Mal- und Zeichenschule), Holger Obbarius (Gedenkstätte Buchenwald), Vertreter von Arolsen Archives, Stefan Schambach (Bürgermeister von Ohrdruf), Klaus-Peter Schambach (Stadtrat und Autor des Buchs „Tatort Jonastal“), Gert Weber (Maler und Grafiker) und die Bundeswehr mit den Gesandten Oberstabsfeldwebel Klaus Rehner und Stabsfeldwebel Dörner. Zudem war das Lehrer Kollegium und 12. Klasse des Gymnasium Gleichense anwesend. Nach der Vorstellung der vier Phasen, die dieses Projekt durchlaufen hatte und der Verdeutlichung des Anliegens der Schüler, den ehemaligen Häfltingen des Außenlagers von Buchenwald zu gedenken. Eines dieser Zitate war: „Ich glaube, dass wenn wir die Geschichte weiter so ignorieren, auf dem besten Weg wieder in diese Zeit sind“. Es wurden dann die ersten Ideen für den Aufbau der Stelen im öffentlichen Raum vorgestellt. Der Truppenübungsplatz in Ohrdruf, das ehemalige Lager Nord sowie die MUNA (alte Munitionsfabrik) im Wald zwischen Wölfis und Crawinkel, die zum Teil noch erhalten ist und ebenfalls als Baracke für Häftlinge genutzt wurde. Außerdem wurden weitreichende Ideen vorstellt, wie der komplexe Dies Hintergrund der Werke vor allem online kommuniziert werden soll. So sollen zb: QR-Codes für die Stelen auf eine Projektseite führen. Diese Projektseite soll auch einen Link zu der SUSPEKT Webseite und das Arolsen Archiv haben, damit jeder auf die Geschichte zugreifen kann und die Informationen einfach abzurufen sind.
Die Diskussion begann mit der Frage, wie die Stelen auf die Gäste wirken könnten. Es wurde über die Assoziation gesprochen, im positiven und negativen. Des Weiteren wurde darüber diskutiert, dass die Stelen dort stehen sollten, wo es weh tut, um auch klarzumachen, dass das ein schlimmes, einschneidendes Ereignis vor Ort war und nicht beschönigt oder verharmlost werden sollte. Auch ein lang diskutierter Punkt waren die möglichen negativen Reaktionen und wie wir Schüler und Erbauer damit umgehen sollten. Am Ende gab es viel Zuspruch für einen Sockel um den Eindruck eines aufgespießten Kopfes zu lösen.
Erstes positives Feedback sowie Anregungen zum weiteren Vorgehen wurde von Péter Füzi, dem Enkel des Häftlings Benedek Satori übermittelt. Er hatte bereits im letzten Jahr von der Erfahrung seines Opas der jetzigen 12. Klasse erzählt. Bei unserer Veranstaltung wurden von ihm angefertigte Schlüsselanhänger übergeben und ein von ihm selbst verfasster Brief vorgelesen. Seine Geschichte und das mitgebrachte Geschenk berührten uns sehr.
Es war ein interessanter Tag mit vielen Tipps, die wir uns zu Herzen nehmen und diese umsetzen werden. Wir wollen uns auch beim Publikum bedanken, welches aufmerksam zugehört hat und sich rege an unserer Diskussion beteiligt hat
Wer jetzt Lust bekommen hat etwas zu bewirken, unsere AG „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ trifft sich jeden Mittwoch um 13 Uhr im Kunstraum. Kommt einfach vorbei!