„Und da fehlt BONIFATIUS“ – wie wir zum dritten Bild im Haupteingang kamen – Projekt GK Kunst 25

2022 war Pfarrer i.R. Köhler zu Gast in der Schule und bestaunte den wunderschönen Haupteingang des Trinitatishauses mit dem Lutherbild und dem Jesusbild. Spontan vermisste er den Apostel der Deutschen, auf den wir die 2024  großartig gefeierten „1300 Jahre Schule in Ohrdruf“ begründen.

Diese Spontanaussage kolportiert zu Frau Herger brachte die Aussage an Frau Pohl, sie möge dies machen, zum Beispiel als Schülerprojekt. Über einen längeren Zeitraum hin schuf Hausmeister Triebel eine Schnittvorlage zu der komplizierten Form für das Bild und erhielten wir 2024 über Herrn Dr. Kirschberg und das Berufsschulzentrum Gotha die Malplatte in passender Form.

Nachdem bereits in 11/1 malerische Entwürfe zum geplanten Bild in kubistischer Formensprache entstanden waren, ging es dann in 12/1 in die Umsetzung dazu.

Die Bilderstrecke erzählt als DIA-Show, wie in Kleingruppen alle 22 Kursschüler in die Entstehung vom Vorzeichnen bis zur Finisierung Woche für Woche involviert waren und wie Stück für Stück die Zwischenzustände des Bildes aussahen.

Am 28.03. war dann die VERNISSAGE zum Bonifatiusbild im Treppenhaus. Hierzu folgt ein gesonderter Beitrag.

Die Schüler verfassten Reflexionstexte zum Projekt. Aus diesen sei beispielhaft zitiert.

Hannes Pinzl schreibt (gekürzt):

UNSER KUNSTPROJEKT …

… war eine spannende Herausforderung, die uns als Gruppe vor kreative, aber auch schwierige Aufgaben gestellt hat. Die Idee, diese Szene mit verschiedenen symbolischen Elementen darzustellen, hat uns von Anfang an begeistert. Besonders beeindruckend finde ich, wie wir es geschafft haben, mit den Formen und Farbflächen eine Landschaft zu erschaffen, die trotz der stilisierten Darstellung eine gewisse tiefe und Lebendigkeit ausstrahlt.

POSITIVE ASPEKTE

Ein großer Pluspunkt unseres Werks ist die gelungene FARBGEBUNG. Die verschiedenen Grüntöne in der Landschaft sorgen für eine natürliche und lebendige Wirkung, während der Himmel mit deinen Blau- und Lilatönen eine schöne Tiefe vermittelt. Besonders gelungen finde ich den Kontrast zwischen der eher ruhigen unteren Bildhälfte und dem dynamischen oberen Teil mit dem großen Adler und dem Engel. Der Adler ist für mich eines der Highlights des Bildes – die Farbwahl und die Schattierungen lassen ihn kraftvoll wirken, und seine Position im Zentrum zieht den Blick auf sich…

HERAUSFORDERUNGEN UND KRITIKPUNKTE

Trotz der vielen positiven Aspekte gab es auch einige Schwierigkeiten, die sich in bestimmten Bereichen des Bildes bemerkbar machen. Eine Herausforderung war sicher die Abstimmung in der Gruppe – jeder hatte eigene Ideen und Vorstellungen der Farben und es war nicht immer einfach, einen gemeinsamen Stil zu finden. Dies sieht man an manchen Stellen im Bild, wo die Übergänge zwischen den einzelnen Flächen nicht ganz harmonisch wirken. Besonders zwischen dem linken und rechten Teil des Bildes gibt es leichte Brüche, die das Gesamtbild etwas uneinheitlich erscheinen lassen…

FAZIT

Insgesamt bin ich jedoch sehr zufrieden mit unserem Kunstprojekt. Es war eine tolle Erfahrung…

Leni Fritsche schreibt sehr facettenreich:

„ERZENGEL MICHAEL ÜBER DER OHRA“

Die 12. Klassen gestalten ein außergewöhnliches Kunstwerk

Kunst verbindet Vergangenheit und Gegenwart – unter diesem Motto haben die 12. Klassen unserer Schule ein großflächiges Wandgemälde erschaffen, das die Geschichte und Symbolik von Ohrdruf auf einzigartige Weise künstlerisch darstellt. In wochenlanger Arbeit entstand ein beeindruckendes Bild auf großen Spanplatten, das sowohl farblich als auch inhaltlich eine starke Wirkung entfaltet.

Zentrales Element des Bildes ist der Fluss Ohra, der in leuchtenden Blau- und Violetttönen durch eine grüne Landschaft fließt. Diese Landschaft ist jedoch nicht einfach nur dekorativ – sie verbindet bedeutende historische und symbolische Elemente miteinander. Ein zentrales Motiv ist die Szene mit einem mächtigen Adler, der mit ausgebreiteten Flügeln über der Ohra kreist, während ein goldener Fisch aus dem Wasser springt. Diese Darstellung bezieht sich auf eine überlieferte Legende: Der Mönchs-Gruppe um Bonifatius mangelte es an Essensvorräten. Ein großer Adler hatte erfolgreich einen Fisch aus der Ohra gefangen, ließ ihn jedoch in der Nähe der hungrigen Mönche fallen. Dieses „vom Himmel gefallene“ Essen wurde als göttliches Zeichen gedeutet – als Bestätigung für den göttlichen Auftrag, in Ohrdruf zu wirken.

Über dieser Szene wacht der Erzengel Michael, der in leuchtenden Gelb- und Goldtönen dargestellt wurde. Er ist nicht nur eine zentrale Figur im Christentum, sondern hat auch für Ohrdruf eine besondere Bedeutung. Laut Überlieferung erschien Michael Bonifatius im Traum und gab ihm den göttlichen Auftrag, an diesem Ort eine Kirche zu errichten. Sein markantes Erscheinungsbild mit weit ausgebreiteten Flügeln und geometrisch klaren Formen verleiht ihm eine erhabene, fast übernatürliche Ausstrahlung. Sein leuchtender Körper hebt sich kontrastreich vom Himmel in kühlen Blau- und Violetttönen ab, wodurch er wie eine göttliche Lichtgestalt erscheint. Die bewusste Wahl von abstrahierten Formen verleiht ihm eine zeitlose Symbolik, die sich nahtlos in die Gesamtkomposition einfügt.

Im rechten Teil des Bildes befinden sich drei stilisierte Figuren, die Bonifatius und seine Begleiter darstellen. Bonifatius spielte eine entscheidende Rolle bei der Christianisierung Thüringens und wird daher oft als „Apostel der Deutschen“ bezeichnet. Seine Anwesenheit in diesem Kunstwerk erinnert an die religiöse Prägung der Region und ihre historischen Wurzeln. Die Figuren wurden in einer minimalistischen, fast skulpturalen Weise gestaltet, wodurch sie sich harmonisch in die Landschaft einfügen, aber dennoch eine starke Präsenz haben. Besonders die dynamische Linienführung und die geschickte Anordnung der Figuren erzeugen eine erzählerische Tiefe, die zum Nachdenken anregt.

Das Arbeiten an diesem Kunstwerk war für uns alle eine außergewöhnliche Erfahrung. Die große Fläche der Spanplatten stellte eine neue Herausforderung dar, da sie eine völlig andere Herangehensweise erforderte als das Malen auf Leinwand oder Papier. Die Farben mussten direkt auf der Fläche gemischt werden, um fließende Übergänge zu schaffen, und die Größe des Bildes machte es nötig, regelmäßig zurückzutreten, um das Gesamtbild zu überprüfen. Die raue Struktur der Spanplatten beeinflusste zudem die Pinselstriche, was ein besonders präzises Arbeiten erforderlich machte.

Neben den technischen Herausforderungen war es auch eine besondere Erfahrung, im Team an einem einzigen Bild zu arbeiten. Jeder brachte eigene Ideen und künstlerische Ansätze ein, doch das Gesamtwerk sollte harmonisch wirken. Das bedeutete, dass wir uns regelmäßig abstimmen und Farben sowie Formen aufeinander abstimmen mussten. Durch diese Zusammenarbeit entstand nicht nur ein beeindruckendes Kunstwerk, sondern auch ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Nun, nach Wochen der intensiven Arbeit, ist das fertige Gemälde ein fester Bestandteil unserer Schule und wird noch lange an dieses besondere Projekt erinnern. Es ist mehr als nur ein Bild – es ist eine Verbindung von Kunst, Geschichte und Teamarbeit. Jeder, der es betrachtet, kann die verschiedenen Elemente entdecken und ihre Bedeutung erforschen.

Zum Abschluss möchten wir unserer Kunstlehrerin, Frau Pohl, herzlich danken. Ohne ihre Unterstützung, ihre kreativen Impulse und ihre fachkundige Anleitung wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen. Es war eine inspirierende Erfahrung, ein solch bedeutungsvolles Kunstwerk gestalten zu dürfen, und wir sind stolz darauf, es nun mit der gesamten Schule teilen zu können!