Gymnasium Gleichense Ohrdruf

Exkursion zur Gedenkstätte Buchenwald in Weimar - Ein etwas anderer Schultag der 9. Klassen –

Der 04.05.2017 sollte für die Jahrgangsstufe 9 des Gymnasium Gleichense kein normaler Schultag werden. Denn wir besuchten mit unseren Lehrern Frau Jäger, Frau Borth und Herrn Thomann das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald. Dieses KZ war ein reines Männerlager und wurde im Juli 1937 im Auftrag der SS auf dem Ettersberg bei Weimar errichtet. Hier sollten politische Gegner bekämpft, Juden, Sinti und Roma verfolgt und sogenannte „Gemeinschaftsfremde“, das heißt Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Vorbestrafte von den „Deutschen“ getrennt werden. Menschen aus ganz Europa wurden nach Buchenwald verschleppt. Insgesamt 280.000 Häftlinge waren auf dem Ettersberg und dessen Außenlagern inhaftiert. Sie mussten Schwerstarbeiten unter den brutalsten Lebensumständen verrichten, wobei insgesamt über 56.000 Menschen unter Folter und medizinischen Experimenten starben. Buchenwald wurde zum Synonym für das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager und war am Ende des Zweiten Weltkriegs das größte KZ in Deutschland.
Mit diesem Vorwissen startete unsere Exkursion mit einem eher mulmigen Gefühl und unsere Vorfreude hielt sich in Grenzen. Trotzdem waren wir gespannt auf diesen Tag, da wir mehr über diese Zeit und insbesondere dieses KZ erfahren wollten. Um 7.45 Uhr startete der Bus und nach ungefähr einer Stunde Fahrt sind wir auf dem Ettersberg angekommen. Zuerst besuchten wir das Mahnmal von Buchenwald, welches den Weg eines Häftlings vom Leben in den Tod symbolisiert. Auf diesem Weg befanden sich Steintafeln, auf denen einige Situationen der Häftlinge in der Gefangenschaft gezeigt wurden. Somit wurde ihr Leidensweg dargestellt. Außerdem liefen wir an drei Massengräbern und großen Monumenten, auf denen sich eine Auswahl von Herkunftsländer der Häftlinge befanden, wie z.B. Luxemburg, Belgien und Italien vorbei. Vor dem Glockenturm wurde ebenfalls an die Inhaftierten erinnert, da man eine riesige Figurengruppe errichtete, deren Grundmotiv der Widerstand der Häftlinge im Lager ist.
Nach dem Mahnmal fuhren wir mit dem Bus weiter in das Lager. Dort angekommen, schauten wir uns zuerst einen Film an, in dem u.a. Überlebende über diese Zeit sprachen. Dieser war ein gelungener Einstieg in die Führung, welche im Anschluss mit dem „Weg der Täter“ begann. Unsere erste Station war der Reitstall, den der erste Kommandant Koch für seine Frau bauen ließ. Später wurden im dazugehörenden Pferdestall circa 8.000 sowjetische Kriegsgefangene  durch Genickschuss getötet. Bei dieser Tötungsart musste sich ein Häftling an eine Messlatte stellen, in dem Glauben, dass er ärztlich untersucht wird. Jedoch war in der Messlatte ein Schlitz, durch den ein SS-Mann aus dem Nebenraum den Inhaftierten erschoss. Diese Anlage sahen wir später nachgebaut in einem Gebäude neben dem Krematorium.
Danach gingen wir weiter zum Steinbruch, welcher vorwiegend die Arbeitsstätte der jüdischen Häftlinge war, weil sie von der SS als unterste Häftlingskategorie angesehen wurden. Sie mussten die schweren Steine mit eigner Köperkraft nach oben ziehen, obwohl sie keine Kraft hatten. Dabei kamen viele Juden ums Leben oder verloren Gliedmaßen. Aus diesen Steinen wurde dann u.a. die Blutstraße erbaut. Auf dieser fährt man zum Konzentrationslager und es war ebenfalls die Straße, auf der die Häftlinge in das KZ gebracht wurden. Nach einer von vier SS-Kasernen hinter dem Steinbruch, in denen z.B. Dietrich Bonhoeffer inhaftiert wurde, gingen wir zu einem sogenannten „Teufelsloch“. Hier wurde die Asche der Toten durch Häftlinge in das Loch geschüttet. Später wurden hier Reste der Verbrennung, d.h. Knochen, gefunden. Unser Weg führte weiter zum SS-Falkenhof, zur SS-Führer-Siedlung und zum Sonderlager Fichtenhain. Diese wurde im eigenen Architekturstil erbaut und die Gärten und Villen der Führer wurden von den Inhaftierten gepflegt. Jedoch durften hier keine Juden arbeiten, da die Kinder auf keinen Fall mit ihnen in Kontakt kommen durften.
Nach diesem ersten ereignisreichen Weg mussten wir uns erst einmal stärken und machten eine halbstündige Pause.
Weiter ging es dann mit dem Weg eines Häftlings nach der Einlieferung. Die Häftlinge kamen ab 1944 mit Zügen auf den Ettersberg. Die direkte Straße zum Lager war der „Carachoweg“, welchen wir zuerst besichtigten. Dann liefen wir diesen Weg entlang zum Eingangstor. Dieses ist mit der von innen lesbaren Schrift „JEDEM DAS SEINE“ bestückt. Dieser Schriftzug ist nur in Buchenwald zu finden. In anderen Konzentrationslagern steht z.B. „ARBEIT MACHT FREI“. Die Häftlinge sollten mit diesem Spruch immer wieder konfrontiert werden. Er ist nur vom Appellplatz sichtbar, wo sie morgens und abends zum Zählappell antreten mussten. An diesem Tor ist außerdem die einzig öffentliche Uhr, welche zum Zeitpunkt der Befreiung angehalten wurde – 15.15 Uhr am 11. April 1945.
Auf dem Appellplatz wird man besonders auf einen Ort aufmerksam – die Gedenktafel. An dieser Stelle bauten Häftlinge eine Gedenkstätte in Form eines Obelisken aus Holz. Heute findet man hier eine Tafel, die an jeden Tag im Jahr auf die normale Körpertemperatur des Menschen beheizt ist. Das Krematorium war unsere nächste Station und zugleich auch die schlimmste. Wir standen an dem Tisch, an dem Toten die Goldzähne herausgebrochen und die Haut mit Tätowierungen für Lampenschirme abgezogen wurde. Als wir weiter gingen, sahen wir ein Bild von einem Leichenhaufen. Genau vor dieser Stelle standen wir, als wir auf den Hof des Krematoriums liefen. Uns wurde etwas übel, doch der Keller war das pure Grauen. Oben an der Decke waren Hacken für die Leichen befestigt und wir sahen den Aufzug, in dem die Toten zu den Verbrennungsöfen befördert wurden. Auch diese haben wir zu Gesicht bekommen. Für uns war das einfach nur abscheulich und ekelhaft, weshalb wir schnellstmöglich wieder aus dem Krematorium hinaus wollten. Wir wollten nicht an einem Ort sein, wo so viele Leichen lagen. Doch auch als wir wieder draußen waren, war das Gefühl nicht besser. Denn als wir auf dem Appellplatz und vor den Baracken standen, konnten wir nicht begreifen, dass wir an einer Stelle stehen, wo einmal so viel Leid, Elend und Tod war.
Wir gingen weiter ins Kammergebäude, in dem wir selbstständig mehr über die Gefangenen und deren Zeit erfuhren. Einige lasen sich Geschichten, Briefe und Dokumente durch, andere hörten sich Berichte von Überlebenden an. Doch auch die Häftlingskleidung schauten wir uns an. Die meisten von uns besichtigten danach noch den Rest des Lagers, bevor wir uns alle wieder am Eingangstor trafen. Dabei schauten sich einige von uns noch das „Kleine Lager“ an, welches die Hölle von Buchenwald war. Es war mit Stacheldrahtzaun vom Hauptlager getrennt und später waren Juden die Hauptinsassen dieses Lagers. 1945 waren ca. 20.000 Menschen gleichzeitig im „Kleinen Lager“. Es herrschten menschenunwürdige Zustände, was dazu führte, dass hier die größte Sterberate in ganz Buchenwald war.
Als wir uns wieder am Eingangstor trafen, besichtigten wir noch den Arrestbau, den man auch „Bunker“ nennt. Dieses Lagergefängnis war die schlimmste Folterstätte und in Zelle 1 verbrachten Menschen ihre letzten Stunden vor dem Krematorium.
Danach fuhren wir mit dem Bus ca. 15.30 Uhr wieder zurück nach Ohrdruf und wir gingen alle mit unterschiedlichen Eindrücken und gemischten Gefühlen nach Hause.
Am nächsten Tag besprachen wir im Deutsch-Unterricht mit Frau Borth den vorherigen Tag und jeder schrieb seine Gefühle und Eindrücke auf. Dabei stellten wir ganz klar fest, dass wir alle schockiert über solche Brutalität und Menschenunwürdigkeit sind und wir nicht realisieren konnten, dass wir an einer Stelle mit so viel Tod und Elend waren. Außerdem konnten wir nicht begreifen, wie Menschen anderen Menschen so etwas antun können. Diesen Ausflug werden wir bestimmt nicht vergessen, doch es war gut, dass wir in dieses Konzentrationslager gefahren sind, da wir nun ein Bild von dem Leid dieser Menschen haben.
So etwas darf sich nie wiederholen!
Besonders danken wir Frau Jäger. Sie führte uns über die zwei verschiedenen Wege und erklärte uns alles ausführlich und verständnisvoll.

Antonia-Clarissa Alt, 9/2

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