Gymnasium Gleichense Ohrdruf

Zum Tod von Max Mannheimer (1920 – 2016)

 

Max Mannheimer war ein Überlebender des Holocaust (der Schoah).
Er starb am 23. September in München.
Wir erinnern an ihn, weil er ein großer Kämpfer gegen das Vergessen und für die Versöhnung der Menschen war.
Dies tat er besonders in Zeitzeugengesprächen u.a. mit Schülern. So war er auch bis vor 10 Jahren ein ganz besonderer und gern gesehener Gast unserer Schule.
Aus gesundheitlichen Gründen konnte er die lange Anfahrt aus München dann nicht mehr bewältigen.
Seit 1990 war er Präsident der Lagergemeinschaft Dachau und seit 1995 Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees.
Er war Kaufmann, Buchautor und Maler.
Viele Würdigungen – wie das Bundesverdienstkreuz – wurden ihm zuteil.

Geboren 1920 in Neutitschein (Mähren; heutiges Nový Jicin /Tschechien), 1938 ausgewiesen durch die deutschen Besatzer, kam er nach Ungarisch Brod (CSR). Im Januar 1943 deportierte man seine Familie (Eltern, Geschwister und Ehefrau) von dort nach Theresienstadt und weiter in das Vernichtungslager Auschwitz.
Seine Ehefrau, die Eltern und eine Schwester sah er nach der Ankunft nie wieder…
Sein Bruder Ernst starb im März in Birkenau.
Nur sein Bruder Edgar und er überlebten mit Glück und kamen im Oktober in das zerstörte Warschauer Ghetto. 1944 in das KZ Dauchau bei München.
Später sagte Max Mannheimer: „Ohne meinen Bruder hätte ich in Auschwitz nicht überlebt.“ (Zeitmagazin Nr. 8/2016, 07. März 2016)
Am 30.April 1945 wurden beide - schon auf dem Todestransport aus Dachau heraus - von Alliierten befreit.
Sie verließen dieses Deutschland, um wieder zu kommen (Vgl. Interview 1946, a.a.O.)
„Für mich ist eine Welt zusammengebrochen, als ich sah, was in Auschwitz passiert ist… Das ganze Menschenbild hat sich verändert.“ (a.a.O.)
Doch schon 1946 kehrte er mit seiner zweiten Ehefrau, einer deutschen Sozialdemokratin zurück.
Die Verarbeitung oder auch Verdrängung dieser schrecklichen Ereignisse und Lebenswege ließen ihn Jahrzehnte öffentlich schweigen.
Seit 1986 aber begann er in Schulen und kirchlichen Einrichtungen über die Diktatur und den Holocaust zu sprechen. „Emotionslos“, wie er selbst sagte (anfangs nur mit Tabletten), war er unermüdlich, jungen Menschen die Geschehnisse authentisch zu schildern.
„Für das, was in der Vergangenheit geschehen sei, könne man sie nicht verantwortlich machen. Für das, was in Zukunft geschieht, hingegen schon.“
(Vgl. Zeit online, 24.09.2016)
Max Mannheimer lud auch die Politik nach Dachau ein, zuletzt:
-    2013 Bundeskanzlerin Angela Merkel
-    2015 US-Vizepräsident Joe Biden.
Es waren – zumindest für mich und hoffentlich auch die Schüler und Lehrer, die er bei uns traf – äußerst beeindruckende Gespräche und faszinierende Begegnungen mit einem Mann, der durch seine Freundlichkeit, Beharrlichkeit und sein großes Engagement für die Menschlichkeit bestach.
Wie so viele in Deutschland und in der ganzen Welt werden wir ihn in dankbarer Erinnerung behalten. Ihn gekannt zu haben, ist ein großes Geschenk.

Dr. V. Rühl


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