Gymnasium Gleichense Ohrdruf

Zeitreise

„Wie viel Mensch“, so lautet der Titel des Theaterstückes, welches am 23.Oktober 2014 in der Aula unserer Schule vor Schülern der Klassen 10 und 12 aufgeführt wurde. Es würde sich um die DDR und ihr Ende im Jahre 1989 drehen, so viel wussten wir vorher, und hierzu gab uns Autor Mathias Wienecke in seiner Einleitung einige ergänzende Informationen. Er erklärte, dass das Stück starke autobiografische Züge aufweise und eigentlich gar kein ganzes Theaterstück, sondern nur eine einzelne Szene für einen Gottesdienst werden sollte. Doch das Projekt wuchs und wurde am 9.11.2009 unter der Regie von Christian W. Olafson im Alten Gothaer Rathaus uraufgeführt – welch passendes Datum.
Das Stück begleitet den jungen Micha von April bis Dezember 1989; der Zuschauer erlebt seine Wut, aber auch das Verständnis für die Flucht seiner Schwester in die BRD, die aufkeimende Hoffnung auf Veränderung, sein politisches Engagement und schließlich den Fall der Mauer. All dies wird in Form von Briefen erzählt, die Micha mit seiner Schwester und oppositionellen Freunden austauscht, wodurch der Zuschauer einen sehr persönlichen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt des jungen Mannes erhält. Diese zu veranschaulichen ist dem freischaffenden Weimarer Schauspieler Martin Bertram hervorragend gelungen; zusätzlich unterstrichen wurde die Wirkung durch authentische Radioaufnahmen und Fotos aus der Zeit. Besonders war auch der Fokus auf Gotha und der umliegenden Region, da unserer Generation, die die friedliche Revolution in der DDR nicht selbst miterlebt hat, meist nur die Bilder aus Berlin, Leipzig, Prag bekannt sind.
Geendet hat das Stück mit einer Szene im Dezember, in der Micha und seine Freunde verhindern wollen, dass Vertreter des Ministeriums für Staatssicherheit ihre Akten verbrennen – ein offenes Ende, und eines, das zum Nachdenken anregt. Bei der geplanten Fragerunde nach dem finalen Applaus waren die meisten Schüler ganz still, das eben Gesehene, Gehörte und Gelernte verarbeitend. Autor Mathias Wienecke tauschte daraufhin einige persönliche Erinnerungen mit Thomas Kratsch, dem Leiter des Ohrdrufer Jugendparlamentes, aus, der sich ebenfalls nicht mit dem sozialistischen Regime arrangieren wollte, und er gab uns eine Botschaft mit auf den Weg. Dass wir immer den Mut haben sollten, unsere Meinung zu sagen, und für unsere Ideale einzustehen. Ein Gedanke, der heute noch genauso aktuell ist wie vor 25 Jahre und dies auch immer bleiben wird.

25.10.2014 Julia Weber, Kl.12