Gymnasium Gleichense Ohrdruf

Rezension zu „Faust. Der Tragödie erster Teil“

Am 26.11.2014 besuchten wir, die 12. Klassen des Gymnasiums Gleichense, die Aufführung „Faust. Der Tragödie erster Teil“ im Deutschen Nationaltheater Weimar. Das Drama wurde ursprünglich im Jahr 1808 von Johann Wolfgang von Goethe veröffentlicht und thematisiert den Wert und die Natur des Menschen. Dabei gilt es noch heute als das meistzitierte und bedeutendste Werk der deutschen Literatur.
Die Handlung spielt in Deutschland um das Jahr 1500. Im Mittelpunkt steht der Wissenschaftler und Intellektuelle Heinrich Faust (Lutz Salzmann), der nach jahrelanger Tätigkeit als Professor im stetigen Streben nach Wissen noch immer nicht das gefunden hat, wonach er sucht – die innere Erfüllung in Form eines übermenschlichen Weltverständnisses. Um an ebendieses Wissen zu gelangen, schließt Faust eine Wette mit Mephisto (Sebastian Kowski) ab, einem Teufel und Vertreter der Hölle. Dieser steht allerdings selbst in einer Wette mit Gott persönlich, dem er die tierische Triebhaftigkeit des menschlichen Wesens beweisen will. Faust initiiert nun die Wette, von der er sich transzendentes Wissen und die Befriedigung seiner Triebe verspricht und Mephisto im Gegenzug nach seinem Ableben seine Seele verspricht. Dieser Fall soll dann eintreten, wenn Fausts Bedürfnisse endgültig gestillt seien und sein rastloses Streben ein Ende habe. Mephisto verjüngt dazu Faust, zeigt ihm das „wilde Leben“ und weckt durch das junge Gretchen (Nora Quest) die sexuelle Begierde in ihm. So geht Faust mit Gretchen ein Verhältnis ein, in dessen Verlauf er sie schwängert und nach dem Mord an ihrem Bruder Valentin (Krunoslav Šebrek) die Stadt verlässt. Als er schließlich eines Tages erfährt, dass Gretchen nach dem verzweifelten Mord an ihrem Neugeborenen die Todesstrafe bevorsteht, beschließt er, sie mit Mephistos Hilfe zu befreien. Das ängstliche, verwirrte und unsichere Gretchen verweigert allerdings die gemeinsame Flucht mit Faust. Ihre Sünden werden ihr letztlich vergeben, Faust und Mephisto entfliehen.
Die szenische Umsetzung auf der Bühne, zu der Hasko Weber Regie führte, stellte in meinen Augen die Inhalte und Intention des Dramas sehr überzeugend dar. Durch fahrbare Bühnen, enorme bemalte Leinwände, multimediale Projektionen von szenenunterstützenden Inhalten oder einer ganzen Szene und treffender musikalischer Untermalung wurde die Tragödie gleichermaßen authentisch, anschaulich und angenehm nachvollziehbar dargestellt. Auch die schauspielerische Leistung erwies sich für mich als sehr überzeugend. Herauszuheben sind hierbei die Schauspieler mit Mehrfachrollen sowie die Darsteller, die die Hauptcharaktere Faust, Mephisto und Gretchen verkörperten und dabei diese Figuren meines Erachtens ausgesprochen treffend präsentierten.
Auch wenn das Theaterstück zahlreiche unerwartete, oft vulgäre bis obszöne Elemente der Darstellung enthielt, die manchem Zuschauer als unangebracht erscheinen könnten, mangelte es meiner Ansicht nach zu keiner Zeit an Unterhaltungswert und Spannung. Die vielen humoristischen Elemente, die durch Regie, Dramaturgie, Bühnenbild und nicht zuletzt die Darsteller dem ernsten Inhalt gegenübergestellt wurden, erhöhten für mich das Zuschauererlebnis. Diese etwas verschiedene Interpretation des anspruchsvollen deutschen Literaturklassikers ist in meinen Augen eine äußerst sehens- und empfehlenswerte – wenn auch nicht für jüngere Zuschauer geeignete – Aufführung, die jederzeit einen Besuch wert ist. Uns hat die Vorstellung jedenfalls definitiv sowohl unterhalten, als auch überzeugt.

30.11.2014 Maximiliano Hertel