Gymnasium Gleichense Ohrdruf

Resümee Zeitzeugenprojekt „25 Jahre danach – meine Wende“

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Anlässlich des 25. Jahrestages dieses historischen Ereignisses, führten wir, die Schüler der 12. Klasse des Geschichtskurses von Herrn Creutzburg, ein Zeitzeugenprojekt durch. Durch Interviews mit Zeitzeugen der Wendejahre 1989/90 sollten wir nicht nur weitere Informationen über das damalige Geschehen erlangen, sondern ebenfalls einen Einblick in die subjektiven Erlebnisse und Emotionen der Personen zur Wendezeit und danach gewinnen. Innerhalb mehrerer Wochen lag unsere Aufgabe darin, aus den geführten Interviews einen Hefter zu gestalten sowie eine Präsentation für den Kurs und ein Plakat zur Ausstellung im Schulhaus vorzubereiten.
Unter anderem befanden sich unter den Befragten ein sowjetischer Soldat, der in Ohrdruf stationierter war, ein Seemann der Handelsmarine der DDR und ein Unternehmer aus Gräfenhain. Des Weiteren gehörten zwei politische Gefangene und ein Leistungssportler der Ruder-Nationalmannschaft der DDR zum Spektrum der Interviewpartner. Anhand dieser verschiedenen Beispiele wurde für uns eindeutig erkennbar, dass es sowohl „Wendegewinner“ als auch „Wendeverlierer“ gibt. Als „Wendeverlierer“ gilt hierbei in unseren Augen der Leistungssportler und zweifache Weltmeister, der neben seinem harten und zeitaufwendigen Trainingsprogramm als Ruderer zahlreiche Vorteile gegenüber einem Großteil der Bevölkerung genießen konnte. Ihm war es beispielweise möglich, zu Wettkämpfen ins nichtsozialistische Ausland zu reisen; zudem waren die Leistungssportler aufgrund ihrer repräsentativen Rolle durch den DDR-Staat privilegiert – die „Diplomaten im Trainingsanzug“ wurden in schulischer Ausbildung und ihren Reisen staatlich getragen. Mit der Wende und dem Zerfall des DDR-Systems, brachen jedoch die Vorteile weg, die der geförderte Leistungssport mit sich brachte. Ins „normale Leben“ entlassen, musste er die Selbstständigkeit erst erlernen und einen neuen Lebensweg anstreben. Während er zuvor im Sozialismus als „Flaggschiff“ der DDR ein überdurchschnittlich gutes Leben führen konnte, sah er sich in einem gänzlich neuen System verloren und konnte erst nach einigen Jahren wieder Halt in der neuen Gesellschaft finden.
Als „Wendegewinner“ hingegen sehen wir das junge Paar an, das dem DDR-System stark kritisch gegenüberstand. Sie starteten zur DDR-Zeit einen Fluchtversuch in den Westen, der jedoch scheiterte und sie in Gefangenschaft brachte. Erst nach elf Monaten Haft wurden sie als politische Häftlinge von der BRD freigekauft und durften die DDR nun doch gen Wsen verlassen. Als dann schließlich die Mauer fiel, bedeutete dies für das Paar nicht nur eine neue Art von Freiheit, sondern auch das Recht, in die Heimat zurückzukehren. Dennoch empfanden sie eine gewisse Art von Resignation darüber, dass sie so kurz nach diesem überaus harten Weg nun auch legal ihr Ziel erreichen hätten können. Für sie bedeutete die Wende definitiv Erlösung und Willensfreiheit.
Insgesamt bleibt uns zu sagen, dass das Projekt uns als Generation, die diesen historischen Abschnitt der deutschen Geschichte nicht miterlebt hat, eine ganz neue emotionale und persönliche Nähe zur DDR- und Wendezeit verschafft hat. Durch die selbstständige Auseinandersetzung mit dieser Thematik können wir nun das Ganze mit einem anderen Bewusstsein betrachten. Unser persönlicher Standpunkt hat sich im Laufe des Projektes gefestigt. Das Projekt an sich brachte uns dazu, intensiver über das Geschehene nachzudenken und auch für die Zukunft aus der Historie zu lernen und die heutigen Freiheiten, Vorteile und Rechte wertzuschätzen.