Gymnasium Gleichense Ohrdruf

Schockierend und unvergesslich

Das sogenannte Speziallager Nr. 2 Buchenwald war eines der insgesamt 10 Lager und drei Gefängnisse in der sowjetischen Besatzungszone, die nach dem Zweiten Weltkrieg von der Besatzungsmacht zur Internierung früherer Nationalsozialisten und Kriegsverbrecher genutzt wurden. Viele Personen kamen aber auch infolge von Denunziationen, Verwechslungen oder politischer Willkür in das Lager.

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts begaben sich Schüler der 11. Klasse und die 10/2 am 19. Juni zur Gedenkstätte Buchenwald. Dieser historische Ort war uns bereits durch seine Nutzung als Konzentrationslager während der NS-Zeit bekannt. Nun wollten wir uns über die weitere Verwendung des Lagers in den Jahren 1945-1950 informieren.

7:30 Uhr begann die historische Reise für die Schüler in Begleitung von Herrn Creutzburg, Herrn Gentzen und Frau Jäger. Nach unserer Ankunft auf dem Ettersberg gab es sofort eine Einführung zur Lagergeschichte in Form eines Vortrages einer Historikerin. Der erste Schock saß tief, als wir erfuhren wie viele Menschen auch nach Kriegsende noch starben und wie willkürlich die Sowjetunion gehandelt hatte.

Der zweite Schock folgte wenig später bei unserem Zeitzeugengespräch mit Herrn Rudolf Haupt, Jahrgang 1930. Er schilderte uns seine Festnahme, seinen Alltag im Speziallager und seine Entlassung im Jahre 1948. Wir waren wie  gefesselt von seiner Geschichte und konnten uns durch seine lebendigen Schilderungen in die grausame Zeit, die er durchlebte, zurückversetzen. Er wurde als 15jähriger denunziert, er sei Teil der sog. „Werwölfe“. Dabei handelte es sich um fanatische Hitlerjungen, die bspw. mittels Sabotage und Attentaten gegen die Besatzer vorgehen sollten.

Im Anschluss an das Gespräch erfolgte eine Führung durch das Lagergelände bis hin zum Waldfriedhof. Metallsäulen markierten dort die Gräber unzähliger unbekannter Verstorbener. Aber auch der namentlich bekannten Toten wird hier in Form von Grabsteinen gedacht.  Gegenüber dem Gräberfeld befindet sich ein neu errichtetes Museum, in dem man das sog. Totenbuch (eine Liste aller im Lager Verstorbenen), Dokumente, Erinnerungsberichte und weitere Relikte aus der Zeit des Speziallagers und seines politischen Umfelds vorfindet.

Eine kurze Mittagspause gab uns die Gelegenheit, über das Gehörte und Gesehene nachzudenken und sich auszutauschen oder aber auch auf andere Gedanken zu kommen. Eine Gespräch zwischen unserer Gruppe und dem Betreuer, Herrn Winzer, bildete dann den Abschluss des Tages.

Wir nahmen nach diesem informativen Tag alle einige Einblicke und Einsichten über diese Phase unserer Geschichte mit nach Hause. Ob es die grausam hohe Zahl der Toten in den Speziallagern ist, der Anblick des Gräberfeldes oder die Schilderungen des Zeitzeugen. Was wir hier erfahren haben werden wir so schnell nicht vergessen.

23.06.2015 Denise Beck, 10/2